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EPICONDYLITIS
Epicondylitis humeri, Epicondylalgie

Der Begriff

Als Epicondylus bezeichnet man den einem Gelenkknorren (Condylus) aufsitzende Knochenvorsprung für Muskelursprünge oder -ansätze. Die Endung -itis steht für eine Entzündung. Für Schmerzen im Bereich eines Epicondylus wird auch der Ausdruck Epicodylalgie verwendet. Bei der Epicondylitis humeri (Humerus = Oberarmknochen) liegt ein umschriebenes Schmerzsynd rom im El lenbogenbereich vor, i.d.R. entzündlich verursacht. Aber auch bei degenerativen Schmerzursache wird dieser Ausdruck verwendet, was ja genau genommen nicht stimmt. Dabei kommt es jeweils im Ansatzbereich der Muskulatur zur Bildung von entzündlichem Narben- und Granulationsgewebe.

Eine Epicondylitis kann theoretisch jeden Epicondylus im Köper betreffen, in der ärztlichen Praxis ist sie aber fast nur am Ellen bogengelen k zu sehen (Epicondylitis humeri).

Am El lenbogen setzen verschiedene Mus keln des Armes mittels einer Sehne an. An der Außenseite (Radialseite) befindet sich die Streckermuskulatur und an der Innenseite (Ulnarseite) der größte Teil der Beugemuskulatur. Werden diese Muskelgruppen überansprucht, kann es zu einer Epicondylitis kommen. Ist die Außenseite des Ellenbogens betroffen, so liegt eine Epicondylitis humeri rad ialis (lateral is) vor, ist die Innenseite betroffen, spricht man von einer Epicondylitis humeri ulnaris (med ialis).

Die Epicondylitis ist im akuten Stadium schmerzhaft und vor allem lästig, jedoch an sich eine harmlose Erkrankung. Bei entsprechender körperlichen Schonung und örtlichen entzündungshemmenden Maßnahmen (z.B. Kältepackung, Salbenverbände) klingen die Beschwerden bald wieder ab. Halten die Schmerzen aber länger als drei Monate an, so ist daraus eine chronische Epicondylitis geworden.

Schmerztherapeutisch kann bei einer Epicondylitis ein Versuch mit Infiltrationen mit einem örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain), auch mit Kortikoidzusatz, unternommen werden. Dabei muß allerdings ein Kontakt der Kanülenspitze mit der Knoc henhaut unbedingt vermieden werden, da damit häufig heftigste, anhaltende Schmerzreaktionen ausgelöst werden können.
Nicht selten hilft bei einer
Epicondylitis nur eine längerfristige, kontinuierliche Plexus brachialis-Blockade mit Katheter. Dabei wird ein dünner Kunststoffschlauch (Katheter) nahe der Achselhöhle in die Nervenscheide des Armnervengeflechts eingepflanzt und innerhalb derselben noch weiter nach oben vorgeschoben. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht "aufgeschnitten" werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. Das örtliche Betäubungsmittel wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der Schmerzreizleitung), damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich bleiben.
Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Nerven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert, die den entzündlichenoder degenerativen Prozessen, die einer
Epicondylitis zugrunde liegen, nachhaltig entgegenwirkt.

Daß Lokalanästhetika (örtliche Betäubungsmittel) auch entzündungshemmend wirken, ist zwischenzeitlich wissenschaftlich erwiesen. Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, so klicken Sie hier.

Nach einer Pressemitteilung (Die Welt - 08.05.2002) scheint eine Behandlung mit Botulinustoxin (= ein Nahrungsmittelgift) bei Epicondylitis erfolgversprechend zu sein. Die Wirkung beruht auf einer Entkrampfung der im Schmerzbereich krankhaft übererregten Mus keln.

Physikalische Therapie bei Epicondylitis:
Auch eine Elektrostimulation kann eine Beschwerdelinderung herbeiführen. Die transkutane Nervenstimulation mit Niederfrequenzgenerator (TENS) hat den Vorteil, daß sich die Patienten bei Bedarf selbst behandeln können. Die Elektroden werden paarig über dem Schmerzbereich aufgeklebt. Durch Veränderung der Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße kann die Wirkung optimiert werden.
Eine weitere physikalische Behandlungsmöglichkeit ist bei
Epicondylitis die oberflächliche Kältetherapie im Schmerzbereich. Wir verwenden einen elektrischen Kaltluftgenerator, dessen Luftstrom auf ca. -10 bis -15 Grad C abgekühlt ist.
Manche Patienten mit einer
Epicondylitis empfinden allerdings lokale Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam. Warme Bäder können ebenfalls Ar mschmerzen lindern.
Die Verordnung von gewöhlichen Massagen ist auch bei
Epicondylitis nicht sinnvoll. Für den Patient mag diese Behandlung zwar angenehm sein, aber unter schmerztherapeutischem Aspekt bringt sie nichts und führt nur zu unnötigen Kosten.
Wichtig hingegen ist bei Epicondylitis eine gelenkfunktionserhaltende heilgymnastische Therapie.
Auch eine Behandlung mit Röntgenstrahlen kann schmerzlindernd sein (Thomalske 1991), ebenso eine Magnetfeldtherapie.
Manchmal ist auch bei der
Epicondylitis eine deutliche Besserung durch die Iontophorese (= Einbringung eines Arzneimittels durch die Haut mit Hilfe von Gleichstrom) (z.B. mit Diclofenac) zu erzielen.

Andere Therapiemaßnahmen bei Epicondylitis:
Der Vollständigkeit halber darf die Akupunktur nicht unerwähnt bleiben.
Hypnoide (= bewußtseinsverändernde) Verfahren wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson, ebenso ein Schmerzbewältigungstraining sind auch bei einer länger anhaltenden
Epicondylitis eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie.

Laut Bundesregierung (http://www.die-gesundheitsreform.de/gesundhe itssystem/themen_az/infoblaetter/rehabilitation/index.html?param=st) haben seit dem 1.4.2007 alle gesetzlich versicherte Personen einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation und können sich ihre Rehabilitationseinrichtung sogar selbst aussuchen.

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